Marokko liegt vor der Haustür Europas und fühlt sich trotzdem an wie ein anderer Kontinent. Auf wenigen hundert Kilometern wechseln Pässe über 2.000 Meter, Schluchten in allen Rottönen, Oasen, Kasbahs, Atlantikküste und die ersten Dünen der Sahara. Für Motorradfahrer ist das Land ein Glücksfall: kurvige Bergstraßen, kaum Verkehr abseits der großen Achsen, Pisten für jedes Niveau und eine Gastfreundschaft, die dir an jedem Teestopp begegnet.
Unsere Guides fahren Marokko seit vielen Jahren, auf fünf verschiedenen Routen durch den Hohen Atlas, den Anti-Atlas und den Süden. Aus diesen Routen ist dieser Artikel entstanden. Du findest hier die Strecken, die sich wirklich lohnen, die beste Reisezeit, ehrliche Angaben zu Straßen und Pisten und eine Antwort auf die Frage, die sich viele stellen: allein fahren, mit dem eigenen Motorrad anreisen oder geführt reisen?

Die schönsten Motorradstrecken in Marokko
Marokko lässt sich grob in vier Motorradwelten einteilen: den Hohen Atlas mit seinen Pässen und Schluchten, den Anti-Atlas weiter südlich, die Atlantikküste und den Rand der Sahara. Die meisten Touren starten in Marrakesch, einige in Agadir. Plane für 150 bis 250 Kilometer einen ganzen Fahrtag ein: Die Straßen sind kurvig, die Dörfer laden zum Anhalten ein, und auf den Pisten fährst du langsamer, als die Karte vermuten lässt.
Über den Hohen Atlas nach Aït Ben Haddou
Der Klassiker zum Einstieg. Von Marrakesch aus fährst du direkt in die Berge, die Stadt im Rücken und die Gipfel des Hohen Atlas vor dir. Die Passstraße windet sich in unzähligen Kehren hinauf und auf der Südseite hinunter, mit Blick über die Täler südlich des Atlas. Am Ende des Tages wartet Aït Ben Haddou, ein Ksar aus Lehm, der zum UNESCO-Welterbe gehört. Rund 190 Kilometer, fast alles auf Asphalt.
Dadès-Schlucht und Todra-Schlucht
Wenn Motorradfahrer von Marokko schwärmen, fallen meist diese beiden Namen. Von Aït Ben Haddou geht es über Ouarzazate und die Oase Skoura ins Dadès-Tal, dessen rote Felswände am späten Nachmittag zu glühen scheinen. Am nächsten Morgen fährst du durch die Schlucht zurück, besuchst die Altstadt von Tinghir und durchquerst die Todra-Schlucht, eng, hoch und eindrucksvoll. Danach beginnt der Anstieg Richtung Imilchil, über einen Pass auf rund 2.700 Metern.

Imilchil und das Herz des Atlas, für Offroad-Fans
Rund um Imilchil wird Marokko einsam. Hier liegen die Bergseen Tislit und Isli, der gewaltige Fels der „Kathedrale“ von Imsfrane und die Schluchten des Asif Melloul. Viele Verbindungen sind Pisten, die sonst nur die Bauern der Gegend nutzen. Auf unserer Adventure-Tour Berber Raid kommst du bis zum nächsten Nachmittag nicht mehr unter 2.000 Meter, fährst über einen Pass auf 3.005 Metern ins grüne Aït-Bouguemez-Tal (das „Glückliche Tal“) und legst pro Tag zwischen 15 und 88 Kilometer im Gelände zurück. Wer Pisten mag, findet in Marokko kaum etwas Schöneres.

Tizi n’Test und der Anti-Atlas
Weniger bekannt und mindestens so schön: die Fahrt von Marrakesch über den Tizi n’Test nach Taroudant. Die Passstraße bietet einen der großartigsten Blicke auf den Atlas und ist deutlich ruhiger als die Hauptachse über den Tizi n’Tichka. Südlich davon erhebt sich der Anti-Atlas, ein rund 300 Millionen Jahre altes Gebirge mit Granitblöcken, Palmenhainen und befestigten Dörfern. Tafraoute, auf Berberisch „die vor den Blicken Verborgene“, ist der ideale Etappenort. Von dort führt die Route über Imouzzer und die Canyons des Atlas bis an den Atlantik nach Essaouira.

Atlantikküste und Oasen des Südens
Ab Agadir verbindet eine Runde die Küste mit dem Hinterland. Du fährst durch den Nationalpark Souss-Massa nach Mirleft, siehst die roten Felsbögen am Strand von Legzira, Sidi Ifni und die Plage Blanche, einen fast menschenleeren Strand am Rand der Küstenwüste. Dann geht es ins Landesinnere: zu den Speicherburgen (Agadire) von Amtoudi, durch Wadis und Schluchten nach Tata und hinauf in den Anti-Atlas zur Kasbah Tizourgane, die auf einem Felssporn thront. Kleine Straßen und leichte Pisten wechseln sich ab. Hier im Süden, nah am Atlantik, ist es auch im Winter mild: Unsere Termine liegen zwischen November und März.

Bis an den Rand der Sahara
Für viele der Höhepunkt: die Fahrt in die Wüste. Von Aït Ben Haddou geht es über Ouarzazate, das Tor zur Wüste, und den Palmenhain von Fint nach Foum Zguid, auf Straßen, auf denen dir kaum ein anderer Reisender begegnet. Über eine Piste erreichst du Zagora und das Draa-Tal, dann die Dünen des Erg Lihoudi bei M’Hammid, wo du eine Nacht im Wüstencamp verbringst. Zurück geht es über Tamegroute mit seiner alten Koranbibliothek, N’Kob mit seinen mehr als 40 Kasbahs und den Tizi n’Tazazert auf fast 2.300 Metern im Jbel-Saghro-Massiv. Rund ein Viertel der Fahrzeit liegt hier auf Pisten, mit einigen sandigen Passagen.

Beste Reisezeit für Marokko mit dem Motorrad
Die beste Zeit sind Frühling und Herbst. Im Atlas und Anti-Atlas starten unsere Reisen je nach Route von Februar bis Juni und von September bis Dezember, und Die Arganbaum-Route an der Atlantikküste rund um Agadir ist unsere Winterreise, von November bis März. Im Frühling sind die Täler grün und die Gipfel des Hohen Atlas oft noch verschneit, im Herbst ist das Licht weich und die Hitze des Sommers vorbei.
Im Sommer wird es im Süden und am Rand der Sahara sehr heiß, Fahrtage werden dann anstrengend. Im Winter sind die Nächte und Morgen in den Bergen kalt, und die hohen Pässe können verschneit sein. Egal wann du fährst: Zwischen Tag und Nacht schwanken die Temperaturen stark. Pack warme Kleidung für den Morgen und eine Regenkombi ein, auch wenn das bei Marokko zunächst seltsam klingt.
Straßen und Pisten: was dich erwartet
Die Hauptstraßen sind meist gut asphaltiert, viele kleine Bergstraßen ebenfalls, aber schmal und mit Schlaglöchern, Steinen oder Sand nach einem Unwetter. Rechne in jedem Dorf mit Kindern, Eseln, Schafherden und Fußgängern auf der Fahrbahn, und fahr nicht bei Dunkelheit: Unbeleuchtete Fahrzeuge und Tiere siehst du nachts zu spät.
Die Pisten reichen von gut befahrbaren Schotterwegen, die du bei 40 km/h entspannt nimmst, bis zu steinigen Bergpisten und Sand, die echte Offroad-Erfahrung verlangen. Auf unseren Reisen liegt der Pistenanteil je nach Route zwischen etwa 10 % und 30 % der Strecke. Wie überall in den Bergen hängt der Zustand vom Wetter ab: Nach Regen kann eine leichte Piste schwierig werden.
Ein Punkt, den viele unterschätzen: Einige Etappen liegen weit von jeder medizinischen Versorgung entfernt, Krankenwagen und Hubschrauber sind selten, und das Mobilfunknetz ist nicht überall stabil. Wer allein unterwegs ist, sollte das bei der Routenplanung bedenken.
Allein oder geführt durch Marokko?
Marokko lässt sich gut auf eigene Faust bereisen, viele Motorradfahrer machen es jedes Jahr. Die Menschen sind hilfsbereit, Unterkünfte findest du in jeder größeren Stadt, und mit etwas Planung ist die Hauptroute über den Atlas kein Abenteuer im Sinne von Risiko.
Allein bedeutet aber auch: Du planst jede Etappe selbst, suchst Unterkünfte, kümmerst dich um Pannen und weißt nicht immer, welche Piste nach dem letzten Regen noch befahrbar ist. Gerade abseits der bekannten Strecken, also dort, wo Marokko am schönsten ist, macht das einen großen Unterschied.
Auf einer geführten Reise fährst du selbst, aber ohne diese Logistik. Bei uns heißt das konkret:
- ein englischsprachiger Motorrad-Tourguide, der die Strecken und Pisten kennt, mit der gemeinsamen Sprache Englisch in einer internationalen Gruppe;
- ein eigener Mechaniker und ein Begleitfahrzeug, das dein Gepäck, Ersatzteile und Wasser transportiert und bei Bedarf die Erstversorgung übernimmt;
- kleine Gruppen mit bis zu 12 Teilnehmern;
- Unterkunft, Halbpension, Benzin und die Royal Enfield sind organisiert.
Der Nachteil: feste Termine und eine Gruppe, mit der du den Rhythmus teilst. Wer zu zweit fahren möchte, ist bei den leichteren Routen gut aufgehoben, bei Sand und längeren Offroad-Passagen raten wir vom Sozius ab.

Mit dem eigenen Motorrad nach Marokko?
Die Anreise mit dem eigenen Motorrad ist möglich und für viele Teil des Abenteuers. Fähren nach Tanger fahren unter anderem ab Genua und Barcelona, je nach Hafen bist du gut einen bis zwei Tage auf dem Schiff. Die kurze Überfahrt ab Algeciras dauert nur rund anderthalb Stunden, dafür liegen von Süddeutschland bis dorthin weit über 2.000 Kilometer. Von Tanger bis Marrakesch kommen noch einmal gut 550 Kilometer dazu.
Was du für die Einreise brauchst, solltest du vor der Abfahrt beim Auswärtigen Amt und bei deiner Versicherung prüfen. Die wichtigsten Punkte:
- ein Reisepass, der für die gesamte Reise gültig ist;
- der Fahrzeugschein und eine Grüne Karte, auf der Marokko (MA) nicht gestrichen ist;
- ein internationaler Führerschein wird empfohlen;
- das Motorrad wird bei der Einreise vom Zoll vorübergehend eingeführt und muss mit dir wieder ausreisen.
Für eine Runde durch den Atlas und den Süden mit Hin- und Rückweg brauchst du realistisch zwei bis drei Wochen. Wer nur eine Woche Urlaub hat, verbringt sonst mehr Zeit auf der Autobahn und auf dem Schiff als auf den Pässen.
Die Alternative: Du fliegst nach Marrakesch oder Agadir, und das Motorrad wartet schon. Genau so sind unsere Reisen aufgebaut. Den Flug buchst du selbst, so wählst du Abflugort und Tarif frei. Vor Ort fährst du eine Royal Enfield mit 350 oder 450 cm³ und hast von der ersten Stunde an alle sieben oder acht Tage für die schönsten Strecken. Helm und Schutzkleidung bringst du mit. Nach demselben Prinzip fahren wir auch auf Sardinien, ohne Fähre ab Genua: die Strecken dieser Woche findest du in Sardinien mit dem Motorrad: die schönsten Strecken.
Unsere fünf Motorradreisen durch Marokko
Jede Route zeigt eine andere Seite des Landes. Alle starten in Marrakesch oder Agadir, dauern sieben bis acht Tage, davon fünf bis sechs auf dem Motorrad, und werden von einem Guide, einem Mechaniker und einem Begleitfahrzeug begleitet.

- Die Wunder des Atlasgebirges: unser Klassiker ab Marrakesch über Aït Ben Haddou, die Dadès- und die Todra-Schlucht und Imilchil. 7 Tage, rund 10 % leichte Pisten, ideal für die erste Motorradreise und mit Sozius. Ab 1.990 €.
- Das Tor zur Wüste: über den Tizi n’Test in den Anti-Atlas und bis an den Atlantik nach Essaouira. 7 Tage, fast nur Asphalt, gut mit Sozius. Ab 1.990 €.
- Die Arganbaum-Route: Rundtour ab Agadir zwischen Atlantikküste, Oasen und Anti-Atlas. 8 Tage, rund 15 % leichte Pisten, gut mit Sozius. Ab 2.490 €.
- Vom Atlasgebirge zu den Dünen der Sahara: von Aït Ben Haddou bis zu den Dünen bei M’Hammid, mit einer Nacht im Wüstencamp. 8 Tage, rund ein Viertel der Fahrzeit auf Pisten, nicht für komplette Offroad-Anfänger, ohne Sozius. Ab 2.490 €.
- Berber Raid: unsere Adventure-Tour durch das Herz des Hohen Atlas, mit rund 30 % Pisten und mindestens drei Stunden Offroad pro Tag. 7 Tage, für Fahrer mit etwas Offroad-Erfahrung und guter Kondition, ohne Sozius. Ab 1.990 €.
Termine, Preise und alle Details zu den Routen findest du auf unserer Seite zur Motorradreise Marokko. Und wenn es nicht Marokko sein soll: Hier findest du alle unsere geführten Motorradreisen weltweit.
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